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Resilienz entwickeln

von Andrea Raith

Sicherheit als Illusion

Wir Menschen wünschen uns oft vor allem Sicherheit im Leben. Das ist ein starkes menschliches Bedürfnis und gleichzeitig eine Illusion. Das einzig Sichere ist die ewige Veränderung, wissen die Buddhisten.

Aber wie kann es dann gelingen sich ausreichend sicher in Zeiten der Unsicherheit zu fühlen? Im besten Fall haben wir das schon früh gelernt, wenn wir in unseren ersten Lebensjahren von Menschen umgeben waren, die für uns da waren, auf die wir uns verlassen konnten, die uns in unseren Gefühlen und Bedürfnissen gesehen haben. Dann hatten wir einen sicheren Hafen, von dem aus wir die Welt erkunden konnten.

Resilienz entwickeln

Im Laufe unseres Lebens ist uns dieses Erkunden und sich auf Neues einstellen vermutlich mal besser und mal schlechter gelungen. Wir haben Unsicherheit, Angst, vielleicht auch Verzweiflung erlebt. Genau das hat uns dann nach einem kurzen oder langen Moment der Lähmung in Bewegung gebracht. Schließlich haben wir Neues gewagt und uns weiterentwickelt. Wenn wir die Zuversicht dabei nicht verloren haben, hat uns das stark und selbstbewusst gemacht. Das nennt man Resilienz.

Herausforderungen meistern

Interessant ist, dass sich Resilienz nicht in der Geborgenheit entwickelt, sondern erst in herausfordernden Situationen. Man muss sie üben! Wir brauchen Herausforderungen, um die Erfahrung zu machen: Ich schaffe das! Dann entstehen Zuversicht und Vertrauen, Vertrauen in die Welt und in mich selbst. Ich bin überzeugt davon, dass jede und jeder von uns mindestens einen kleinen Funken davon in sich trägt. Es geht darum diesen Funken in sich selbst zu entdecken und zu entfachen, damit wir auch in unsicheren Zeiten mit Veränderungen umgehen können. Dann sind wir in der Lage unsere eigene Lebendigkeit und die Verbindung zu anderen Menschen in der Gewissheit zu erleben, dass wir auch diesen Sturm überstehen werden.

Es gibt viele Möglichkeiten diese Funken in sich selbst aufzuspüren und zu entzünden. Ein paar davon möchten wir Ihnen am 21. November 2020 auf dem rompc-online-Kongress vorstellen.

Ich freue mich auf Sie!

Andrea Raith Dipl. Supervisorin, DGSv / Dipl. Sozialpädagogin HP Psychotherapie / ROMPC®-Master, -Therapeutin und –Ausbilderin www.andrearaith.de

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Die neue Chance auf Unsicherheit

von Heinz-Günter Andersch-Sattler

Keine Gewissheiten in dieser Zeit

Wir sind inzwischen in einer neuen Phase der Corona-Krise angelangt: Wir müssen uns darauf einrichten, dass die Krise nicht einfach mal aufhört und im Nichts verschwindet, so wie sie aus dem Nichts begonnen hat. Die Menschen, die zu uns kommen, sind unterschiedlich von der gegenwärtigen Phase betroffen. Die Angst um den Job unterscheidet sich von der Angst um die Gesundheit genauso wie von der Angst vor der Mehrfachbelastung mit Home-office und Home-schooling. In jedem Fall geht es weiter um Angst und die fehlende Sicherheit. Diese haben wir nach wie vor nicht. Wir wissen zwar mehr über das Virus und dessen Behandlung, wir haben weniger Todesfälle und Intensivpatienten. Wir wissen aber nicht, ob das nicht doch noch kommen wird – gerade jetzt, wo die Infektionszahlen wieder steigen. Da gibt es keine Gewissheiten.

Auch der Impfstoff, der irgendwann in Aussicht steht, ist kein verlässlicher Garant für eine gesunde Zukunft; denn wir wissen nichts über dessen Nebenwirkungen. Selbst wenn es einen hoch wirksamen und gut verträglichen Impfstoff geben sollte, was nicht sicher ist, dann wissen wir nicht, welche Langzeitwirkungen damit einhergehen. Das wissen wir erst nach einer längeren Anwendungszeit.

Nicht so schlimm?

Von der psychischen Seite her bleibt uns nur, einen Umgang mit Unsicherheit und Angst zu finden, der uns gerade nicht in die Abwärtsspirale führt. Eine beliebte Strategie ist ja auch, so zu tun, als wäre da nichts oder als wäre das nicht so schlimm. Nach wie vor gibt es schwere Infektionen nicht nur bei älteren Menschen oder Risikogruppen. Wann und wo wir uns infizieren können, wissen wir nicht. Selbst wenn wir alle Vorsichtsmaßregeln beachten, brauchen wir ein Quäntchen Glück, um uns nicht zu infizieren. Das ist also auch nicht wirklich berechenbar.

Unsicher gewordene Sicherheiten

Ohnehin leben wir in einem Zeitalter, in dem es zunehmend weniger Sicherheiten gibt. Auch unsere Kinder müssen sich darauf einstellen, dass sie unsicheren Zeiten entgegen gehen. Der alte politische Slogan „Die Renten sind sicher“ ist obsolet geworden. Dennoch suchen wir nach Sicherheiten oder vermeintlichen Sicherheiten, weil wir glauben, nur leben zu  können, wenn wir ausreichend Sicherheit haben, um damit unsere Ängste minimieren zu können, ruhiger bleiben zu können. Die Gefahr dabei ist, dass wir Wesentliches für die vermeintliche Sicherheit ausblenden müssen. Wenn wir uns in eine vermeintliche Sicherheit wiegen, können wir das nur um den Preis der Ausblendung gegenläufiger Informationen. Wir konstruieren uns eine Sicherheit. Wenn das Glück uns nicht hold bleibt, bricht diese allerdings schnell zusammen.

Die Sicherheit in sich selbst finden

Psychologisch können wir Menschen darin unterstützen, sich auf Unsicherheit anders einzustellen. Dass wir dazu in der Lage sind, ist unbestreitbar. Nehmen wir z.B. ein Balance-Trainings-Gerät, wir können lernen, auf diesem einigermaßen sicher zu stehen, auch wenn es dabei immer wieder Schwankungen des Gleichgewichts gibt. Unsere Muskeln lernen, die Balance immer wieder herzustellen. Etwas Vergleichbares können wir in der Psychotherapie tun, um Menschen die Angst vor der Unsicherheit zu nehmen mit dem Ziel, die Sicherheit mehr in sich selbst zu finden.

Menschen haben unterschiedliche innere Gleichgewichte. Im Gesundheitsbereich nennen wir das auch Resilienz. Diejenigen unter uns, die eine minder belastbare Resilienz haben, können lernen, diese zu verbessern. Darin unterstützen wir die Menschen, die zu uns kommen – auch mit den Mitteln von ROMPC und den zugehörigen Entkoppelungstechniken. Einige davon werden beim ersten online-ROMPC-Kongress gezeigt und benutzt.